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CD-Kritik

Wenn sich zwei preisgekrönte junge Künstler zusammentun und ein Programm mit Klassikern für ihre Besetzung aufnehmen, ist ein Gelingen fast vorprogrammiert: Die ungarische Flötistin Anita Farkas und der peruanische Gitarrist Juan Carlos Arancibia lernten sich während des Studiums kennen und firmieren seit 2008 gemeinsam als Arie Duo.

Die Literatur für diese ebenso praktische wie perfekt zusammenpassende Duo-Besetzung ist vielfältig, doch gelang es nur wenigen Werken sich als „Klassiker" zu etablieren. Ohne Zweifel zählt dazu Astor Piazzollas Suite Histoire du Tango. Die vier Sätze beleuchten die Entwicklung des Tangos über die Jahrzehnte hinweg – von melancholischer Tango-Tristesse bis zu Passagen von südamerikanischem Temperament. Anita Farkas glänzt hier mit großem Ton und rhythmischer Verve. Dass der Gitarrenpart bei einem Südamerikaner in besten Händen ist, versteht sich von selbst. Vor allem aber beeindruckt das perfekte Zusammenspiel des Duos. Auch Mario Castelnuovo-Tedescos Sonatine gehört zu den viel gespielten Werken der Besetzung. Das heitere, spritzig-musikantische Spätwerk des Komponisten animiert beide Musiker zu hörbarer Spielfreude.

Besonders beliebt war die Verbindung von Flöte und Gitarre im 19. Jahrhundert, in dem bürgerliche Haus- und Salonmusik ihre Blüte erlebte. Aus der Masse all der Sonaten, Sonatinen, Rondos und Variationen der Zeit ragt Luigi Legnanis Duetto concertante deutlich heraus. Legnani, selbst Gitarrenvirtuose und zeitweilig wohl Duopartner Paganinis, versteht es, echte Kammermusik zu schreiben, die nicht – wie in den meisten Werken der Zeit – die Gitarre auf eine simple Begleitfunktion reduziert, sondern beiden Instrumenten lohnende, gleichberechtigte Passagen zugesteht.

Máximo Pujol nimmt sich in seiner Suite Buenos Aires Piazzolla zum Vorbild. Besonders beeindrucken hier der lebensfrohe 3. Satz und das perlende, überraschend skurrile, polytonale Finale. Es fällt nicht schwer, dem Arie Duo eine interessante Laufbahn vorherzusagen. Das Potential dazu haben die beiden jungen Musiker in jedem Fall.

Heinz Braun (22.03.2012)